Ein Blog zur Sprechkultur

Reden mit Humor (Teil 1)

Wann, wie und von wem Humor in einer Rede verwendet werden sollte

In Briefing-Gesprächen mit ihren Kunden hören Redenschreiber nicht selten folgenden Satz: „Die Rede soll auf jeden Fall lustig sein“. Oder: „Ein paar wirklich gute Gags möchte ich da schon drin haben.“ Diese Sätze hören Redenschreiber nicht nur bei der Vorbereitung von Reden, bei denen das Publikum eine Prise Witz wie selbstverständlich erwartet, etwa bei Reden für Trauzeugen. Auch in Reden für Politiker und Manager ist immer öfter Witz gefragt.

(Wollen Sie lernen, wie man eine lustige Rede schreibt?)

Humor in Reden hat Konjunktur. Denn Humor kann bei allen möglichen Redeanlässen sinnvoll zum Einsatz kommen. Der Witz dient dabei in den seltensten Fällen allein der Unterhaltung. Richtig eingesetzt, kann Humor in einer Rede viele Funktionen erfüllen. Ein Witz zu Beginn der Rede kann zum Beispiel das Eis brechen, wenn der Redner vor einem Publikum spricht, das ihm und seinen Ansichten kritisch oder gar ablehnend gegenübersteht.

Mit Humor kann man einen Redner gezielt sympathisch erscheinen lassen, insbesondere dann, wenn der Redner mitunter Schwierigkeiten hat, nett rüberzukommen. Ein Witz kann die Distanz verringern zwischen Redner und Publikum. Ein geistreicher Witz lässt den Redner klug erscheinen. Ein deftiger Witz macht ihn bodenständig. Mit Humor lassen sich verbale Angriffe gegen den politischen Gegner führen, ohne dass dies den Redner allzu aggressiv erscheinen lässt.

Doch so hilfreich der Humor ist, so gefährlich ist er für den Redner, wenn er falsch eingesetzt wird. In allen Fällen ist wichtig, dass der Humor richtig dosiert wird. Zu viel Witz führt dazu, dass der Redner und sein Anliegen von den Zuhörern nicht mehr ernst genommen werden. Ein Witz über das falsche Thema kann schnell einen Skandal hervorrufen.

In einigen Fällen ist der Humor gänzlich unangebracht, etwa bei Trauerreden oder Reden, in denen schlechte Nachrichten verkündet werden. Wer einen Personalabbau in seinem Unternehmen bekannt gibt, sollte sich jeden noch so guten Witz verkneifen. Doch Reden, die zwingend spaßfrei sein müssen, sind die Ausnahme. Viele Redner fordern daher regelmäßig von ihrem Redenschreiber, dass die Rede locker und auch ein bisschen lustig sein soll.

Den Redenschreiber stellt dies vor die Herausforderung, auf Befehl komisch zu sein. Dabei ist Witze schreiben weniger eine Frage der Inspiration oder des Talents als vielmehr das Produkt harter und zielgerichteter Arbeit. Humor zu schreiben ist eine ernste Angelegenheit. Wer auf Zuruf witzig sein muss, der sollte die Technik des komischen Schreibens beherrschen. Das Problem: Die meisten Comedy-Autoren sind zwar Meister darin, komische Sätze zu produzieren.

Doch sie kennen nicht die vielen Stolpersteine und Fettnäpfchen die beim Schreiben einer Rede für einen offiziellen Anlass beachtet werden müssen. Redenschreiber hingegen sind Experten im Minenfeld der gesellschaftlichen Etikette. Doch die wenigsten sind zum Schreiben von Witzen ausgebildet. Ihnen fehlt meist eine professionelle Ausbildung im Gag-Schreiben.

Dabei sind beide Qualifikationen erforderlich, wenn die Rede fachlich hohe Standards erfüllen und gleichzeitig auf authentische Weise komisch sein soll. Sonst läuft der Redner Gefahr, das Ziel seiner Rede zu verfehlen und sich schlimmstenfalls gehörig in ein Fettnäpfchen zu treten.

Was eine Rede witzig macht, das lesen Sie im zweiten Teil der Artikelserie „Reden mit Humor“.

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