Ein Blog zur Sprechkultur

Reden mit Humor (Teil 2)

Die Humorformel: Was eine Rede lustig macht

Die gute Nachricht zuerst: Lustiges Schreiben kann man lernen wie Schwimmen oder Fahrradfahren. Die weniger gute Nachricht lautet jedoch: Es erfordert sehr viel Übung und Erfahrung, die richtige Pointe an der richtigen Stelle zu setzen. Wichtigste Voraussetzung dazu ist nicht Talent sondern Disziplin. Wer fleißig übt, hat den Bogen irgendwann raus.

Doch was genau macht eine Rede lustig? Wie Witz und Humor entstehen, dazu gibt es verschiedene Erklärungsansätze. Kein Wunder, denn so verschieden die Menschen sind, so verschieden sind auch die Momente, die bei ihnen einen Lachreflex auslösen können. Witz und Humor sind jedoch nicht beliebig. Die Elemente, die einen guten Gag ausmachen, lassen sich berechnen wie in einer mathematischen Formel.

(Wollen Sie lernen, wie man eine lustige Rede schreibt?)

Der wohl bekannteste Ausspruch zum Thema Humor stammt vom Schriftsteller Otto Julius Bierbaum. Er sagte den berühmten Satz: Humor ist, wenn man trotzdem lacht“. Er deutet auf ein Wesensmerkmal der meisten Witze hin: Eigentlich geht es darin um etwas, das überhaupt nicht witzig ist. Doch gerade weil es schrecklich ist, lachen wir. Ähnlich sah es Immanuel Kant, der sagte: Nur wer das Leben bitter ernst nimmt, hat auch wirklich Humor.“

Das heißt aber nicht, dass alles, was schrecklich ist, Menschen zum Lachen bringt. Wer jemals in einem Seniorenheim einen Alzheimerwitz erzählt hat, weiß warum. Wir lachen zwar herzlich über das Elend anderer Menschen. Wir lachen sogar über unsere eigene Not. Allerdings lachen wir nur dann, wenn wir zum Gegenstand des Humors eine gewisse Distanz haben.

Doch Schrecken und Distanz sind nur zwei Elemente der Humorformel. Zu dem schrecklichen Ereignis und der Distanz muss noch mehr dazu kommen, damit wir lachen. Sonst wäre jede Naturkatastrophe, die sich auf einem fernen Kontinent ereignet, komisch.

Die Autoren Peter Linden und Christian Bleher haben herausgefunden, dass sich alle Witze auf drei Auslöser zurückführen lassen: Übertretung, Übertreibung und Übertragung.

Mit Übertretung meinen sie den Bruch der politischen Korrektheit. Beispiel: Ein Christ, ein Jude und ein Moslem sitzen in einem abstürzenden Flugzeug und haben einen Fallschirm…

Die Übertreibung liegt in einer maßlosen Übersteigerung der Realität: Dieses Brot kann man nur mit einer Kreissäge schneiden.

Bei der Übertragung werden verschiedene Lebenswelten miteinander vermischt: Kommt ein Pferd in die Kneipe und bestellt drei Bier.

Alle drei Auslöser haben eines gemeinsam: die Logik. Und die ist ein weiterer wichtiger Baustein für den Humor. Witze sind logisch. Sie sind aber eben nur nicht auf die Art und Weise logisch, die die Zuhörer erwartet haben. Und das führt zum nächsten und letzten Bestandteil der Humorformel.

Denn für sich allein lösen die drei Ü’s (Übertretung, Übertreibung und Übertragung) noch keinen Lacher aus. Ein weiterer Effekt muss dazukommen. Der US-amerikanische Humorist Mel Helitzer hat gesagt, der Lachreflex werde nur dann ausgelöst, wenn eines gelingt: die Überraschung. Und tatsächlich: Ein Gag, dessen Ende die Zuhörer schon kennen oder leicht erahnen können, wird höchstens ein gequältes Schmunzeln auslösen.

Ein Lacher entsteht also, wenn den Zuhörern zu einem schmerzvollen Ereignis, zu dem sie eine gewisse Distanz haben, überraschend eine alternative logische Betrachtungsweise präsentiert wird. Die fertige Humorformel lautet folglich so:

Humor = Schmerz + Logik + Distanz + Überraschung

Doch kann ein Redenschreiber oder sonst ein Autor allein mithilfe dieser abstrakten Formel auf Befehl komische Ideen produzieren? Die Antwort lautet nein. Mit der Formel allein sicher nicht. Wohl aber mit der Formel und ganz viel Übung.

Fünf goldene Regeln zum Schreiben humorvoller Reden lernen Sie im dritten Teil der Artikelserie Reden mit Humor“.

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