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Reden mit Humor (Teil 4)

Fünf Stellen in der Rede, wo Humor besonders effektiv eingesetzt werden kann

Der Unterschied zwischen dem Auftritt eines Komikers und dem Auftritt eines Redners liegt in der Zielsetzung. Bei einem Komiker ist der Witz in der Regel ein Selbstzweck, der alleine dazu dient, die Zuhörer zu unterhalten. Der Gag ist wichtiger als alles andere.

Doch bei einer Rede steht immer die Botschaft des Redners im Mittelpunkt. Die Botschaft wird dem Humor niemals untergeordnet. Vielmehr ist der Humor der Diener der Botschaft.

(Wollen Sie lernen, wie man eine lustige Rede schreibt?)

Die meisten Redesituationen sind eher steif. Es braucht darum oft nicht viel, um das Publikum zum Schmunzeln oder sogar zum Lachen zu bringen. Damit der Humor die Botschaft der Rede wirkungsvoll unterstützen kann, ist es jedoch wichtig, dass der Redner sein Publikum an den richtigen Stellen in der Rede amüsiert.

1. Humor im Titel der Rede

Der Titel einer Rede wird von den wenigsten Rednern beachtet. Dabei ist es der Titel, den die Zuhörer in der Ankündigung auf einem Plakat, im Internet oder im Programmheft lesen. Oft ist es diese Ankündigung, die darüber entscheidet, ob sich die Zuhörer überhaupt im Vortragsraum einfinden und ihre wertvolle Zeit investieren, um den Worten des Redners zu lauschen. Ein knackiger oder gar lustiger Redetitel hat schon manchen Vortragsraum gefüllt.

2. Humor bei der Ankündigung eines Redners

Bei den meisten Veranstaltungen, auf denen mehr als eine Rede gehalten wird, gibt es einen Moderator, der die einzelnen Redner vorstellt und ankündigt. Eine humorvolle Ankündigung kann einen Redner sympathischer machen, bevor er überhaupt auf der Bühne erschienen ist.

Das Publikum entspannt sich gegenüber dem Redner. Noch vor dem ersten persönlichen Eindruck nehmen die Zuhörer den Redner als positiv wahr. Eine humorvolle Ankündigung macht das Publikum neugierig auf den Redner.

Viele Redner gehen darum sogar so weit, ihre Ankündigung selbst zu schreiben oder von ihrem Redenschreiber schreiben zu lassen. Dieser Text wird dem Moderator dann mehr oder weniger unauffällig zugeschoben. Oft mit Erfolg: Je ansprechender der Text ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Moderator sie übernimmt. Einem wirklich witzigen Ankündigungsvorschlag wird kein Moderator widerstehen können.

3. Humor beim Einstieg in die Rede

Der Einstieg in die Rede ist der Handschlag des Redners mit seinem Publikum. Hier kann Humor vor allem als Eisbrecher dienen. Ein paar amüsante Bemerkungen zu Beginn der Rede können Skepsis oder gar Ablehnung des Publikums gegenüber dem Redner vertreiben. Nachdem alle gemeinsam herzlich gelacht haben, steht das Publikum den ernsten Aussagen des Redners aufgeschlossener gegenüber.

Nicht selten werden bei einem Anlass auch so viele Reden hintereinander gehalten, dass es für die Redner, die später an der Reihe sind, sehr schwer ist, die Aufmerksamkeit des Publikums zu wecken. Humor kann die bereits weggedämmerten Zuhörer aus ihrem Nickerchen zurückholen.

Dabei müssen die Redeeinstiege mit dem Thema der Rede nicht einmal in inhaltlichem Zusammenhang stehen. Zwei Vorschläge für humorvolle Redeeinstiege:

„Es ist schade, das meine Eltern heute nicht hier sein können, um meine Rede anzuhören. Warum? Mein Vater hätte sie geliebt, meine Mutter hätte sie geglaubt.“

Oder:

„Ich kann nicht garantieren, dass Sie nach meiner Rede klüger sein werden als jetzt. Das einzige, das jetzt schon feststeht, ist, dass Sie nach meiner Rede älter sein werden.“

4. Humor im Redetext

In einer Rede hat die Botschaft immer Vorrang vor dem Witz. Die Botschaft darf dem Humor nicht geopfert werden. Der Humor ist vielmehr ein Stilmittel, das helfen soll, die Botschaft zu übermitteln. Beim Schreiben jeder Rede, auch der lustigen, werden zuerst Inhalt und Botschaft der Rede festgelegt. Dann sucht der Redenschreiber nach Gags, die diese Botschaft untermauern können.

Humor kann etwa helfen, Angriffe gegen einen politischen Gegner eleganter zu führen oder abzuwehren, als dies durch Argumente möglich wäre. Doch im Hauptteil der Rede, sollte der Redner mit Humor möglichst sparsam umgehen, insbesondere dann, wenn er mit seiner Rede ein ernstes Anliegen verfolgt. Sonst kann schnell der Eindruck entstehen, der Redner nehme seine Rede selbst nicht wirklich ernst.

5. Humor am Schluss der Rede

Der Schluss einer Rede ist der Moment, in dem ein bleibender Eindruck geschaffen werden kann. Humor eignet sich besonders gut, um mit einem sympathischen Eindruck vom Rednerpult abzutreten und sich vom Publikum mit einem Schmunzeln zu verabschieden.

Gerade wenn der Redner seinem Publikum inhaltlich einiges abverlangt hat, bietet es sich an, am Schluss zu zeigen, dass man sich selbst auch ein wenig auf die Schippe nehmen kann. Beispiele für humorvolle Abgänge:

„Es war meine Aufgabe zu reden. Es war Ihre Aufgabe, zuzuhören. Ich hoffe, dass wir alle mit unseren Aufgaben zeitgleich fertig geworden sind.“

Oder:

„Wenn ich Ihre Aufmerksamkeit bis zu diesem Moment auf meine Rede ziehen konnte, ist dies ein guter Moment, um aufzuhören. Sollte es mir nicht gelungen sein, Ihre Aufmerksamkeit bis zu diesem Moment auf meine Rede zu ziehen, dann ist dies sogar ein sehr guter Moment, um aufzuhören.“

Oder:

„Von Goethe haben Menschen in seinem näheren Umfeld gesagt, dass er im Alter sehr viel geredet habe und nur schwer zu unterbrechen gewesen sei. Da es nur selten eine Gelegenheit gibt, sich sogar von einem Dichterfürsten positiv zu unterscheiden, will ich diese nutzen und meine Rede hier beenden.“

Wie man Anekdoten lustig erzählt, lesen Sie im fünften Teil der Artikelserie „Reden mit Humor.“

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