Reden mit Humor (Teil 7)

Die lustige Trauzeugenrede

Eine der bekanntesten Trauzeugenreden stammt aus der Filmkomödie „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“. Darin hält der notorische Junggeselle Charles, gespielt von Hugh Grant, eine gleichermaßen herzzerreißende wie urkomische Ansprache.

Spätestens seit diesem Film wünschen sich viele Brautpaare von ihren Trauzeugen zur Hochzeit eine lustige Rede. Für die meisten Brautpaare kann die Trauzeugenrede gar nicht komisch genug sein. Die Gäste sollen sich vor Lachen an der Tischkante festhalten müssen, um nicht rückwärts vom Stuhl zu kippen.

(Hier gibt es humorvolle Formulierungen für Hochzeitsreden.)

Als Vorbild für eine echte Trauzeugenrede taugt die Rede aus dem Film allerdings wenig. Für eine Hochzeit in Deutschland jedenfalls dürfte der Humor zu schwarz sein, zu britisch. Charles berichtet in seiner Ansprache davon, dass er früher schon einmal bei einer Hochzeit eine Rede gehalten habe. Leider jedoch sei dieses Brautpaar bereits wieder geschieden. Die Trennung könnte mit seiner Rede im Zusammenhang stehen, deutet Charles an, denn er habe darin erwähnt, dass der Bräutigam vor der Hochzeit mit der Schwester und der Mutter der Braut intim gewesen sei.

In der Filmszene biegen sich die Zuhörer vor Lachen. Für eine echte Hochzeit aber sind derartige Andeutungen viel zu heikel. Zudem werden nur die wenigsten Redner in der Lage sein, einen solchen Text so trocken vorzutragen, wie es dem Schauspieler Hugh Grant im Film gelingt. Wer erwartet, dass er seine Rede als Trauzeuge ähnlich komisch vortragen kann wie ein Profischauspieler, der steuert auf eine Enttäuschung zu.

Dennoch lässt sich aus der Rede im Film viel lernen. Denn sie enthält die drei wichtigsten Elemente, die es beim Schreiben einer guten Trauzeugenrede zu beachten gibt.

Erstens: Die Rede ist sehr kurz. Die gesamte Filmszene dauert weniger als zwei Minuten. Wesentlich länger sollten Hochzeitsreden auch in der Realität nicht sein: Absolute Obergrenze für die Rede eines Trauzeugen sind fünf Minuten. Alles was darüber hinausgeht, überfordert die Konzentrationsfähigkeit der Hochzeitsgäste. Professionelle Redenschreiber rechnen mit circa 120 Wörtern pro Minute. Spätestens nach 600 Wörtern sollte die Rede also zu Ende sein.

(Wollen Sie lernen, wie man eine lustige Rede schreibt?)

Zweiter Punkt: Die Rede aus „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“ hat eine klare Botschaft. Trauzeuge Charles will dem Brautpaar seinen Respekt dafür ausdrücken, dass sie den Mut hätten, die Ehe miteinander einzugehen. Mut, den er in seinem Leben noch nicht habe aufbringen können. Jeder Redner sollte eine Botschaft haben. Trauzeugen, die nicht genau wissen, was sie dem Brautpaar anlässlich ihrer Hochzeit mitteilen möchten, sollten am besten sitzen bleiben und auf eine Rede verzichten.

Drittens: Der Hochzeitsredner im Film benutzt den Humor nicht ausschließlich dazu, die Hochzeitsgäste zu unterhalten. Vielmehr hat der Humor eine Funktion. Er hilft Charles dabei, seine Botschaft so zu verpacken, dass sie bei den Zuhörern ankommt. Seine Selbstironie lässt ihn selbst als ein relativ kleines Licht erscheinen. Dadurch dass er sich selbst kleinmacht, erhöht er das Brautpaar.

In der Realität werden vor allem beim Verwenden des Humors die besonders gravierenden Fehler gemacht: Viele Reden haben keine Botschaft. Darum hat der Humor in der Rede keine Funktion und dient allein dazu, die Gäste zu unterhalten. Doch eine Hochzeit ist ein wichtiges Ritual im Leben zweier Menschen und keine Comedy-Veranstaltung. Darum wirken Trauzeugen, die sich als Komiker aufspielen, nicht lustig, sondern lächerlich.

Um herauszufinden, was die Botschaft sein soll, kann sich der Trauzeuge zum Beispiel fragen, in welcher Beziehung er zum Brautpaar steht. Schließlich haben die Brautleute ihn nicht ausgewählt, weil er so ein witziger Typ ist, sondern weil er zu mindestens einem der beiden in einem engen persönlichen Verhältnis steht.

Aber genau hier steht eines der größten Fettnäpfchen, in das viele Trauzeugen mit Anlauf hineintreten. Oft wird die Rede nämlich von einem alten Freund des Bräutigams gehalten, der seine einzige Aufgabe darin sieht, peinliche Geschichten aus der Junggesellenzeit des Bräutigams unters Volk zu bringen.

Für den Bräutigam ist das oft unangenehm, für die Braut ist es möglicherweise kompromittierend, für das übrige Publikum ist es einfach nur peinlich. Natürlich sorgt die Tatsache, dass ein Trauzeuge brisante Informationen über die Braut oder den Bräutigam ausplaudern könnte, für eine gewisse Spannung bei den Zuhörern. Diesen Umstand macht sich indirekt auch die Filmfigur Charles in seiner Hochzeitsrede zunutze.

Doch es erfordert viel Geschick, dies in der Rede lustig und charmant unterzubringen. Eine Möglichkeit besteht darin, zu erwähnen, dass man viel über den Bräutigam wisse, aber nicht darüber sprechen könne, weil man von ihm vor der Hochzeit eine äußerst großzügige Bargeldzahlung erhalten habe.

Egal wofür sich der Redner entscheidet, der Witz muss eine Funktion in der Rede haben. In der Rede in „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“ bildet der Humor den Rahmen für die eigentliche Botschaft. Ohne den Witz wäre die Rede zu schmalzig. Die schlüpfrigen Gags sind gewissermaßen das Gewürz, das die Botschaft bekömmlich macht.

Der Humor ist kein Selbstzweck, er dient immer der Botschaft. Ein Beispiel: Der Trauzeugen will zum Ausdruck bringen, wie sehr er sich für seinen alten Kumpel freut, weil dieser so eine tolle Frau abbekommen hat. Dann bietet es sich an, die Braut zu erhöhen, indem man über den Bräutigam einen Witz macht. Etwa so: „Die Braut ist klug, schön und nett. Ein erneuter Beweis für den Satz: Gegensätze ziehen sich an.“ Hier wird der Bräutigam auf die Schippe genommen, um die Botschaft rüberzubringen, nämlich dass der Bräutigam mit der Braut großes Glück gehabt hat.

Fazit: Die Rede darf nicht zu lang sein und sie muss eine klare Botschaft enthalten. Humor darf in der Rede nur eingesetzt werden, um die Botschaft zu unterstützen. Wer diese drei Punkte beachtet, umschifft die gefährlichsten Klippen auf dem Weg zur gelungenen Hochzeitsrede mit Leichtigkeit.

Was den Charme einer Rede zum politischen Aschermittwoch ausmacht, lesen Sie im achten Teil der Artikelserie „Reden mit Humor“.

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