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Reden mit Humor (Teil 9)

Die lustige Hochzeitsrede des Brautvaters

Wer als Vater der Braut eine Hochzeitsrede halten muss, fühlt sich oft so, als würde er spät am Abend in die Privatgemächer der Queen von England bestellt. Sicher ist es eine große Ehre. Doch wirklich wohl ist ihm nicht bei der Sache.

Mulmig ist es vielen Hochzeitsrednern zu Recht. Denn die Ansprüche, die vom Brautpaar und den Gästen an die Hochzeitsrede des Brautvaters gestellt werden, sind hoch. Oft sind sie zu hoch.

(Hier gibt es humorvolle Formulierungen für Hochzeitsreden.)

Geistreich soll die Hochzeitsrede sein, aber auf keinen Fall trocken oder altmodisch. Wenn möglich soll die Rede die Gäste zu Tränen rühren, dabei aber auch locker und gelassen daherkommen. Ach ja, und kräftig gelacht werden soll bei der Rede natürlich auch.

Brautväter, die sich mit allen diesen Ansprüchen im Kopf an ihren Computer setzten, um eine lustige Hochzeitsrede zu schreiben, erwartet in den meisten Fällen ein Frusterlebnis – vor allem wenn sie mit dem Schreiben von Reden wenig Erfahrung haben.

Ein einfacher Weg, Enttäuschungen zu vermeiden, besteht darin, sich zu Beginn erst einmal überlegen, welche Funktion die Rede haben soll. Was soll die Botschaft der Hochzeitsrede sein?

Die Hochzeitsfeier ist eines der wenigen uralten Rituale, die bis heute praktiziert werden. Damals wie heute ist es ein Brauch, mit dem die Verbindung zweier Menschen besiegelt und gefeiert werden soll. Hochzeitsreden wurden bereits im alten Griechenland gehalten und sind bis heute ein fester Bestandteil der Feierlichkeiten.

(Wollen Sie lernen, wie man eine lustige Rede schreibt?)

In alten Zeiten bedeutete die Verbindung von Braut und Bräutigam meist einen gravierenden Einschnitt in die sozialen und ökonomischen Lebensbedingungen der Brautleute und ihrer Familien. Mitgiften wurden gezahlt, Besitztümer aufgeteilt, Allianzen geschmiedet, Erbfolgen festgelegt und vieles mehr.

Hochzeitsreden hatten im Rahmen des Rituals eine wichtige Funktion. Hier wurden Ziele und Maßregeln der neuen Verbindung vorgegeben. Heute sind die mit der Ehe verbundenen Einschnitte zwar bei weitem nicht mehr so umfassend.

Doch immer noch sind mit einer Hochzeit Veränderungen verbunden. Für Braut und Bräutigam zum Beispiel beginnt mit der Ehe ein neuer Lebensabschnitt. Meist entfernen sie sich ein Stück weit von ihren Eltern und Verwandten und gründen eine eigene Familie.

Die Ehe macht die Braut zu einem Mitglied der Familie des Bräutigams und umgekehrt. Oft bergen diese neuen Verbindungen Konflikte, zum Beispiel zwischen den Familien von Braut und Bräutigam oder zwischen den Ehepartnern und den jeweiligen Schwiegereltern.

Wann immer Veränderungen auftreten, wünschen sich die Menschen, die von diesen Veränderungen betroffen sind, dass jemand aufsteht und Vorschläge unterbreitet, wie man mit diesen Veränderungen umgehen sollte.

Das gilt auch für die Rede des Brautvaters auf einer Hochzeit. Kurzum: Das Publikum erwartet von einer Hochzeitsrede, dass sie klare Botschaften hat.

Dabei gibt es Botschaften, die in jede Hochzeitsrede zwingend hineingehören. Der Brautvater muss den Schwiegersohn in seiner Familie willkommen heißen. Das ist ein offizieller Akt, den es zu beherzigen gilt. Ebenso sollte jeder Brautvater zum Ausdruck bringen, dass er stolz auf seine Tochter ist und sich über ihr Glück freut.

Weitere Botschaften der Hochzeitsrede ergeben sich aus der speziellen Familiensituation und aus den Verhältnissen der beteiligten Personen untereinander. Erst wenn die Botschaften feststehen, beginnt die Suche nach witzigen Hochzeitssprüchen und lustigen Zitaten für die Hochzeitsrede. Denn Witz und Humor sind lediglich Stilmittel, die der Redner einsetzt, um dem Publikum seine Botschaft näherzubringen. Sie sind kein Selbstzweck.

Vor allem der Humor hat in Hochzeitreden eine wichtige rhetorische Funktion. Denn die Prise Witz in der Rede sorgt dafür, dass die Rede nicht zu ernst oder zu schmalzig daherkommt. Ebenso träg der Witz dazu bei, dass Komplimente nicht übertrieben wirken.

Ein Beispiel: Der Redner will zum Ausdruck bringen, dass er den Bräutigam für den bestmöglichen Ehemann für seine Tochter hält. Dies einfach auszusprechen, könnte langweilig und oder gar anbiedernd zu klingen. Also verknüpft der Redner diese Botschaft seiner Hochzeitsrede mit einen Witz.

„Ich bin ganz sicher: Peter wird meiner Tochter ein wunderbarer Ehemann sein. Er ist ehrlich, aufrichtig, fair und ein richtig guter Teamspieler – was man kaum für möglich hält, wenn man bedenkt, dass Peter Fan des FC Bayern ist.“

Oder:

„Ich muss gestehen, ich habe ein Problem mit Peter. Das liegt insbesondere an einer Entscheidung, die er vor einiger Zeit getroffen hat. (Pause) Ich spreche von seinem Entschluss, mir meine Tochter wegzunehmen. Das missfällt mir zutiefst. Davon abgesehen ist Peter ein großartiger Typ. Ich bin ganz sicher: Er wird Michaela ein wunderbarer Ehemann sein.“

Gerade beim Einsatz von Humor werden in Hochzeitsreden die meisten Fehler gemacht. Redner wollen Witze machen, um komisch zu sein, nicht um den Zuhörern etwas mitzuteilen. Das Ergebnis davon ist in der Regel eher albern als lustig.

Wer keine klare Botschaft hat, der beginnt seine Rede möglicherweise mit einem lustigen Hochzeitsspruch, gibt danach ein paar Anekdoten aus der Kindheit der Braut zum Besten und endet mit einem humorvollen Hochzeitszitat, das er im Internet ausgebuddelt hat. Was das alles soll, verstehen die Zuhörer nicht. Nach zehn Minuten klatschen sie dennoch höflich, hauptsächlich weil sie froh sind, dass die Rede endlich vorbei ist.

Einem Hochzeitsredner mit einer klaren Botschaft passiert dieser Fehler nicht. Er legt von Anfang an den Schwerpunkt auf die Aussage seiner Hochzeitsrede. Darum weiß er, welche Hochzeitssprüche und Anekdoten zur Botschaft passen und welche er besser weglassen sollte. Ist die richtige Botschaft einmal gefunden, lassen sich Hochzeitssprüche, Zitate oder Anekdoten daran aufreihen wie Perlen an einer Schnur.

Wichtig ist es, kritisch zu hinterfragen, welche Sätze die Botschaft wirklich unterstützen. Alles was nicht genau passt, gehört nicht in die Hochzeitsrede hinein. Dazu gehören insbesondere Floskeln wie „mit einem lachenden und einem weinenden Auge“ oder „ich habe nicht eine Tochter verloren, sondern einen Sohn gewonnen“. Solche Sätze haben nur geringe Aussagekraft, besitzen dafür aber ein großes Potential, die Zuhörer zu langweilen.

 

 

 

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